ST3V3N · DEBUT ALBUM
My Life,
My Rules!
16 Tracks. Eine Geschichte.
THE ALBUM WORLD
My Life, My Rules!
Songs, Lyrics, Artwork und der offizielle Album Guide.
ALBUM GUIDE
My Life, My Rules!
Der offizielle Begleittext zu den Ideen, Widersprüchen und Fragen hinter dem Album.
My Life, My Rules! ist kein Album über einen Helden. Es ist das Protokoll eines Menschen, der früh gelernt hat, Gefühle zu lesen, Nähe zu steuern und Kontrolle mit Sicherheit zu verwechseln – und später erkennen muss, was diese Fähigkeiten anrichten können.
ST3V3N erzählt in 16 Songs von Beziehungen, Affären, Familie, Begehren, Schuld, Manipulation, Verantwortung und dem Versuch, aus einem einmal erlernten System auszubrechen, ohne so zu tun, als ließe es sich einfach abschalten. Was zunächst wie Selbstbehauptung klingt, wird zunehmend zur Selbstanklage: Aus Regeln werden Muster, aus Kontrolle wird Isolation, aus Freiheit wird Flucht – und aus vermeintlicher Stärke die Frage, wie viel Schaden ein Mensch anrichten kann, wenn er andere sehr genau lesen, sich selbst aber nur unvollständig verstehen kann.
Dabei beschönigt das Album nichts. Der Künstler macht sich weder zum Opfer seiner Vergangenheit noch zum geläuterten Antihelden. Er zeigt Rücksichtslosigkeit ebenso wie Reue, emotionale Kälte ebenso wie Fürsorge, echte Bindung ebenso wie Verrat. Manche Entscheidungen entstehen aus Angst, andere aus Ego, Hunger oder Selbstschutz. Manche Menschen werden verletzt, obwohl die Warnzeichen sichtbar waren. Andere Beziehungen werden festgehalten, obwohl sie längst zerfallen.
Im Zentrum steht immer wieder dieselbe Frage: Ist Fürsorge weniger echt, wenn sie gelernt werden muss? ST3V3N beschreibt einen Menschen, der Beobachtung und Kontrolle zunächst benutzt, um zu bekommen, was er will – und später versucht, dieselben Fähigkeiten einzusetzen, um Menschen nicht mehr zu zerstören. Doch auch das reicht nicht immer. Denn eine Beziehung lässt sich nicht allein tragen, nicht perfekt kalibrieren und nicht durch die richtige Regel retten.
Musikalisch und lyrisch zieht sich ein dichtes Netz aus wiederkehrenden Bildern durch das Album: Mauern, Käfige, Häuser, Ruinen, Feuer, Kälte, Geister, Autos, Spiele, Stimmen und immer wieder die Entscheidung zwischen Bleiben und Gehen. Früh bedeutet das Auto Flucht. Später wird es zum Zwischenraum. Eine Mauer schützt zuerst vor Verletzung und wird dann zum Gefängnis. Der Stein, der einmal emotionale Härte bedeutet, kann irgendwann auch Fundament werden.
My Life, My Rules! ist deshalb weniger eine Geschichte über Erlösung als über Verantwortung. Über die Erkenntnis, dass ein Mensch seine Vergangenheit erklären kann, ohne sich mit ihr zu entschuldigen. Dass Liebe nicht immer Instinkt ist, sondern manchmal Entscheidung, Übung und Arbeit. Und dass selbst eine ehrlich gemeinte Entscheidung für „Forever“ nicht genügt, wenn Kontrolle und Vertrauen nicht dasselbe bedeuten.
Am Ende bleibt keine saubere Moral und kein bequemes Happy End. Nur ein Künstler, der seine eigene Architektur auseinandernimmt und fragt, welche Teile davon Schutz waren, welche Waffen – und ob aus denselben Steinen irgendwann etwas gebaut werden kann, das nicht wieder zusammenbricht.


